Mo

14

Okt

2013

Weingut Schätzel (Nierstein): Die Wein-Amphoren sind da !

Foto Prange Okt. 2013 (Weingut Schätzel Nierstein)
Foto Prange Okt. 2013 (Weingut Schätzel Nierstein)

2 Stück 250 Liter Ton-Amphoren, frisch angeliefert beim Weingut Schätzel in Nierstein (14.10.2013). In den Amphoren wird Silvaner im "Orange Wine" Stil ausgebaut.

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Amphoren aus Ton zur Weinherstellung

Seit den frühen Anfängen des Weinbaus werden Amphoren aus Ton zur Vinifikation, zur Lagerung und zum Transport von Wein und Flüssigkeiten überhaupt (z.B. auch Olivenöl) genutzt.

Foto: Prange 2013
Foto: Prange 2013

 

Historische Weinamphoren in einem Privatmuseum.

 

Hergestellt wurden die Amphoren in der Regel aus geeignetem, sehr dichtem Ton, der ortsnah in bestimmten Regionen abgebaut, geformt und sodann gebrannt wurde. Der Tonkörper schützte den Inhalt vor Licht und Wärmeschwankungen, eine Beschichtung im Inneren der Amphore mit Baumharzen bzw. Bienenwachs garantierte für eine gewisse Zeit Schutz vor Micro-Oxidation, Verschließen der Poren durch Weinstein und Verdunstung des Inhaltes.

Foto: Prange 2013
Foto: Prange 2013

 

Historische 1.500 Liter Weinamphore aus gebranntem Ton mit Ablass und großem Spundloch (oben) sowie kleinem Spundloch (unten mittig).

 

Die Trauben wurden entrappt und gährten in der Amphore. Die bei der Gährung entstehenden Gase "isolierten", d.h. schützten, die Weinmaische vor der Oxidation durch Luftzufuhr.

Es wurde ausschließlich spontan mit den natürlichen Hefen vergohren. Im darauffolgenden Frühjahr wurde der Wein durch das zweite kleinere Spundloch "abgestochen".

Der Wein lief durch die Schwerkraft zwar ab, aber nur sehr langsam, einem Rinnsal gleich.

Am Boden der Amphore sammeln sich während der Gärung die Traubenhäute und Schwebeteilchen, die sodann einen natürlichen Filter bilden.

Foto: Prange 2013
Foto: Prange 2013

5.000 - 8.000 L Ton-Amphoren zur Reifung und Lagerung inSpanien.

 

Einige Betriebe verfügen über Tonamphoren gigantischen Ausmaßes. Der zuvor in Betontanks vergohrene Wein wird später in die Amphoren zur Lagerung und Reifung umgepumpt, teilweise erfolgt noch viel später noch ein Verschnitt mit im Holzfaß ausgebauten Wein, um eine möglichst große Komplexität zu erreichen.

Foto: Prange 2010
Foto: Prange 2010

Weinkeller in Georgien mit vergrabenen Amphoren (Qveri)

 

Zurückgeholt in den Fokus der Aufmerksamkeit wurde die Amphore als archaische Methode der Weinbereitung durch die neueren Diskussionen in der einschlägigen Fachliteratur und den Weinzeitschriften (z. B. Queri- Amphoren aus Georgien und Armenien). Einige dieser Amphoren können mehr als 800 Jahre alt sein und befinden sich dort z.T. noch im Einsatz.

 

(Aufgenommen bei Weingut Schuchmann im neuen Weinkeller (Frühjahr 2010).

Foto: Prange 2010
Foto: Prange 2010

Blick in die vergrabene Amphore.

 

Im Unterschied zu den westeuropäischen wurden die georgischen Amphoren - in einigen Landesteilen vermutlich wegen der beständigen Erdbebengefahr- dauerhaft und sicher in den Erdboden eingegraben. Diese wurden durch den Einsatz von Bienenwachsen oder Baumharzen über einen langen Zeitraum versiegelt. Damit haben diese auch keinen Ablaß bzw. zweiten Spund wie die westeuropäischen. Dabei schützt das die Amphoren umgebende Erdreich vor zu schnellen und zu großen Temperaturschwankungen.

Foto: Prange 2013
Foto: Prange 2013

 

 

Ausrangierte 2000L Wein-Amphore auf einem Acker.

 

 

Auch in anderen weinproduzierenden Regionen rund um das Mittelmeer wurden die Tonamphoren über Jahrtausende genutzt. Die verloren gegangene Kenntnis und die umständliche Handhabung führte vermutlich dazu, dass diese Technik aufgegeben und die Amphoren ausrangiert wurden.

Foto: Prange 2013
Foto: Prange 2013

Historische Amphoren im Einsatz. Bei Wein ist Sauberkeit und Hygiene ist oberstes Gebot, wobei dies schwierig umzusetzen ist.

 

Zu einem großen Teil sind die Amphoren heutzutage in Europa aus dem Weinbau verschwunden, da sie von moderneren Techniken und Gefäßen zur Weinherstellung wie Eichen-Barriques und Edelstahltanks verdrängt wurden.

Ein anderer Aspekt war die bewußte Vernachlässigung dieser Methode durch die Winzer, die als rückständig empfunden wurde.

Foto: Prange 2013
Foto: Prange 2013

Historische 1.000L Weinamphoren in einer Taverne.

 

Je nach Vinifikationsmethode und Einsatzdauer ergeben sich für den Verkoster unbekannte neue, aber durchaus auch interessante organoleptische Eigenschaften der in den Amphoren ausgebauten Weiss- und Rot-Weine. Der Einfluß der Amphorennutzung bringt je nach Dauer der Lagerung eine gewisse Erdigkeit oder auch Mineralität mit, die Weine werden z.T. runder, teilweise kommt es zu oxidativen Noten.

 

Verbraucher attestieren den Amphoren-Weinen allgemein eine sehr gute Bekömmlichkeit. Die "Alten", mit denen wir gesprochen haben, berichten auch gerne davon, dass sich diese Wein in großen Mengen konsumieren ließen, ohne am darauffolgenden Tag unter wie auch immer gearteten Beschwerden leiden zu müssen. 

 

Foto: Prange 2013
Foto: Prange 2013

Südeuropäische Weinamphore aus dem Jahr 1613

Foto: Prange 2013
Foto: Prange 2013

Blick in eine Amphoren-Werkstatt.

 

Mit einer Presse wird der Ton zur Weiterverarbeitung verdichtet.

Für den Amphoren-Aufbau kann der Ton nur zu bestimmten Jahreszeiten und nur etappenweise verarbeitet werden. Der Aufbau erfolgt in Schichten. Die Witterung darf dazu nicht zu heiß und trocken und auch nicht zu nass und kalt sein, denn die führt beim Brennen zu Rissen und letztlich zur Undichtigkeit bzw Unbrauchbarkeit der Amphore.

Foto: Prange 2013
Foto: Prange 2013

Rot- und Weissweine im Amphoren-Ausbau in Deutschland (Baden)

 

Auch in Deutschland wurde die Idee des Amphorenweines im letzten Jahrhundert wieder aufgegriffen. Dazu wurden 200 Jahre alte, original italienische Tonamphoren nach Baden verschifft. Jedoch gab es anfangs große Schwierigkeiten mit den behördlichen Genehmigungen. Die Ausbaumethode in 200 Jahre alten, bereits vielfach genutzten Amphoren war den Kontrolleuren einfach noch zu suspekt. Letztlich das beste Argument war die besondere Kenntnis im Umgang mit den Amphoren aufgrund der kulturellen Herkunft des Winzermeisters.

Foto: Prange 2013
Foto: Prange 2013

Echte Schätze in Baden: 200-hundert jährige Amphoren im Gebrauch.

 

Beachtenswerterweise sind die Amphoren nur von Außen mit einer Glas-Glasur behandelt. Die Veredelung wurde teilweise über die ganze Amphore aufgebracht, teilweise nur im oberen Viertel.

 

Auch diese Amphoren verfügen über einen zweiten Spund am unteren Ende. Ein Ablassen des Weines ist aufgrund der Schwerkraft möglich und die Reinigung des Amphoren- Inneren ist einfacher.

Foto: Prange 2012 (Vinitech-Sifel Bordeaux)
Foto: Prange 2012 (Vinitech-Sifel Bordeaux)

Amphorenform als Vorlage für Faß- und Barrique Hersteller:

 

Die Amphorenform findet Nachahmer bei den Faß- und Barriqueproduzdenten.

Eine komplizierte Stahlseil-Struktur hält dabei die Eichenholz-Dauben zusammen.

Deckel und Bodenspunde sind aus Edelstahl mit einer zusätzlichen Anschlußmöglichkeiten für Kühlung.

(mit fr. Genehmigung der Fa. Taransaud, patentiert, aufgenommen auf der Sitevi / Montpellier 2012)  

Foto: Prange Nov. 2013 (MONTPELLIER)
Foto: Prange Nov. 2013 (MONTPELLIER)

Umgedrehte Amphore ? Das Wein-Ei "Apollo Flextank" von Wine&Tools aus Polymeren fördert mit 13-17 mg/Liter/Jahr die natürliche Mikro-Oxidation, da die Hülle nicht vollständig abdichtet.

 

Mit freundlicher Genehmigung Wine&Tools / Fréderic Planchon.

Foto: Prange Nov. 2013 (MONTPELLIER)
Foto: Prange Nov. 2013 (MONTPELLIER)
Foto: Prange Nov. 2013 (MONTPELLIER)
Foto: Prange Nov. 2013 (MONTPELLIER)

Beton-Amphoren: die 2013 erstmals vorgestellte Cuve Modèle Dolia für 12hl der Firma Nomblot ("Beton-Wein-Ei") nimmt explizit Bezug auf die historische Amphoren-Form. Die Innenwände der Beton-Amphoren sind imprägniert, sodass der Wein keinen Kontakt zum basischen Beton bekommt.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Firma Nomblot, Ecuisses, France

Foto: Prange Nov. 2013 (MONTPELLIER)
Foto: Prange Nov. 2013 (MONTPELLIER)

Viereckige Beton-Amphore von Nico Velo Spa Italien.

Wir haben uns hiermit zur Aufgabe gemacht, uns dafür einzusetzen, dass diese Tradition nicht gänzlich in Vergessenheit gerät und im 21. Jahrhundert durch neue Philosophien der Winzer und neue hilfreiche Techniken bei der mühsamen Arbeiten mit den Amphoren weiterleben kann.

 

Wir respektieren das historische und kulturelle Erbe der Länder, in denen sich vereinzelt uralte Amphoren heute noch in Gebrauch befinden, weil wir wissen, dass es Versuche gibt, diese historischen Schätze vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Situationen in Südeuropa aufzukaufen und auf andere Kontinente zu "verschleppen".

 

Falls Sie Interesse an der Materie haben, zögern Sie nicht und kontaktieren Sie uns (Kontakt).

 

Wir freuen uns auf mehr spannende Weine !

Rosario & Prange GbR

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